Film "Die Kirschenkönigin"
Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Justus Pfaue schildert die bewegte und bewegende Familien-Geschichte des wohlhabenden jüdischen Bankiers Samuel Goldfisch. Die Hauptperson, an der sich das Familien-Epos dabei orientiert, ist seine zweitälteste Tochter Ruth, deren Schicksal über mehrere Jahrzehnte von der Kaiserzeit um 1913 durch beide Weltkriegsepochen, bis hinein in die 1940er Jahre der ehemaligen DDR hindurch geschildert wird.
Im Film von Regisseur Rainer Kaufmann ist eine große Anzahl renommierter deutscher Schauspieler versammelt, von denen hier nur exemplarisch August Zirner, Richy Müller, Jürgen Tarrach, André Hennicke und Jürgen Vogel genannt sein sollen.
Teil 1: Vom Tango zum Trecker
Berlin 1913. Bankier Samuel Goldfisch ist Vater dreier Töchter, Gretchen, Ruth und Käthe. Die intelligente Ruth soll ihn und seinen Prokuristen Kurt Stöcker eigentlich in seinen Bankgeschäften unterstützen und später seine Bank übernehmen. Ruth hat aber ihren eigenen Traum vom Leben, von einem eigenen Bauernhof mit Ackerbau und Viehzucht. Auf dem alljährlichen Pessach-Ball ihres Vaters lernt sie 1914 den attraktiven, aber verarmten Baron Albert von Roll, Offizier der kaiserlichen Armee, kennen. Ihm gehört ein herunter gekommener und verschuldeter Gutshof in Bleichrode im Harz. Gegen den Willen des Vaters, und wohl auch aus dem Grund, sich seinem Einfluß zu entziehen und ihr eigenes Leben zu führen, heiratet Ruth Albert und zieht vom mondänen Berlin aufs Land. Doch das gemeinsame Glück ist von kurzer Dauer, denn ihr Ehemann wird bereits bald zum Fronteinsatz im 1. Weltkrieg abberufen. Bevor sie, nun als Baronin von Roll, ihre Träume umsetzen kann, erfordert es aber neben einer stattlichen Mitgift ihre ganze Energie, Beharrlichkeit und Begeisterungsfähigkeit, den völlig maroden Gutshof wieder in einen florierenden Betrieb zu verwandeln. Hierbei ist ihr der Gutsverwalter Franz Weidler mit seiner Familie eine unverzichtbare treue Hilfe. Mit ihrer Unterstützung bringt Ruth die verwahrlosten Kirschenplantagen wieder zum Blühen und schafft es, sich allmählich Wohlstand und Anerkennung in der dörflichen Gemeinde zu erarbeiten. Während Ruth mit ihrem Betrieb vom Krieg profitiert, wird jedoch die Bank ihres Vaters durch die Kriegsniederlage und das Ende des Kaiserreiches in den Ruin getrieben. Bankier Goldfisch sieht keinen Ausweg mehr und begeht Selbstmord. Ruths Mann kommt schwer erkrankt von der Front zurück und überlebt eine Infektion nur knapp. Doch wieder bleibt den beiden nur wenig Zeit, denn, inzwischen hochschwanger, muss Ruth erleben, wie ihr Mann Albert bei Waldarbeiten von einem Baum erschlagen wird. Kurz darauf kommt die Tochter Elisabeth zur Welt, Ruth übersteht die Geburt nur schwer. Die Trauer überwindet sie mit Arbeit und baut ihren Hof in den 1920er Jahren in Kooperation mit dem Marmeladen-Produzenten Lettau zu einem Kirschenimperium aus. Zum Ausgleich für das Landleben lädt Ruth in dieser Zeit immer wieder Künstler aus dem Kreis der ehemaligen Freundin ihres Vaters, Tina Lavoisier, aus Berlin zu sich auf den Gutshof ein. Doch auch auf dem Land macht sich allmählich die Veränderung der politischen Verhältnisse bemerkbar. Ruth meint, sich dieser Gefahr dadurch zu entziehen, dass sie Männer des SA-Angehörigen Buschbach, der zum Bürgermeister von Bleichrode aufsteigt, zum Arbeitseinsatz als Erntehelfer verwendet. Sie selbst verkauft, um inzwischen eingetretene Umsatzeinbussen auszugleichen, ihre Kirschen an eine NS-Schnapsbrennerei und streicht steuerfreie Gewinne ein.
Teil 2: Der Führer liebt Süßes
Um ihre inzwischen heranwachsende Tochter Elisabeth vor der zunehmenden nationalsozialistischen Bedrohung zu beschützen, schickt Ruth sie in ein von Nonnen geführtes Internat nach Berlin. Siegfried Weidler, der inzwischen erwachsene Sohn ihres Gutsverwalters, verehrt Ruth schon seit langer Zeit und schließlich gibt sie seinem Werben nach und geht eine Beziehung ein. Ruth greift zunehmend aktiv in die Bleichroder Lokalpolitik ein, bewahrt den korrupten Bürgermeister Buschbach vor dem Gefängnis und sorgt gleich darauf dafür, dass der ihr gewogene bisherige Haus-Schlachter Otto Pfreimel den vakanten Posten des Bürgermeisters einnehmen kann. Ihre Künstler-Freunde verlassen derweilen nach und nach Deutschland und Ruth kostet das Verbleiben und Überleben in ihrer geliebten Heimat mehr und mehr finanzielle Abgaben an die Nationalsozialisten. Das Kind, das sie von Siegfried erwartet, läßt sie aus Furcht vor der Zukunft abtreiben. Der inzwischen zum Obersturmbannführer SS aufgestiegene ehemalige Prokurist der Goldfischs, Kurt Stöcker, ermöglicht der im ehemaligen Haus der Familie wohnenden Schwester Ruths, Käthe, die Flucht aus Deutschland. Um Ruths Herkunft und finanzielle Verhältnisse in Bleichrode nicht offenbaren zu müssen, vernichtet Otto Pfreimel die entsprechenden Gemeindedokumente in einem fingierten Brand. Zu Kriegsbeginn 1939 wird Siegfried zum Militäreinsatz zwangsrekrutiert. In der Aussicht einer von Pfreimel dokumentierten arischen Abstammung stimmt Ruth widerwillig der Hochzeit ihrer Tochter Elisabeth mit dem ebenfalls jüdischen Handelsvertreter Walter Roth zu. Doch dieser zeigt sich zu Elisabeths Enttäuschung schon bals als der von Ruth so eingeschätzte kaltblütige Opportunist, der zu seinem eigenen Vorteil mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitet und Juden mit ausländischem Vermögen denunziert. Nur langsam wird Ruth die zunehmende Bedrohung auch ihrer eigenen Person bewußt. Stöcker will daher seine geheime Liebe Ruth zur Flucht bewegen, bleibt aber erfolglos.
Teil 3: Rot ist die Liebe
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Auszeichnungen:
Bayerischer Fernsehpreis 2005
Rainer Kaufmann (Regie)
Deutscher Fernsehpreis 2005
Knut Loewe (Szenenbild)
Lucie Bates (Kostümbild)
Annette Focks (Musik)
"Goldene Romy" der Tageszeitung Kurier, Wien
Justus Pfaue (Drehbuch)
Nominierungen:
Deutscher Fernsehpreis 2005
Johanna Wokalek (Beste Schauspielerin Fernsehfilm)
Deutscher Kamerapreis 2005
Ueli Christen (Kategorie: Schnitt)
Goldene Nymphe 2005, Festival de Télévision de Monte-Carlo
Kategorie Mini Series Fiction
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Regisseur: Rainer Kaufmann
Produzent: Daniel Blum, Susanne Freyer
Drehbuch: Justus Pfaue
Kamera: Klaus Eichhammer
Musik: Annette Focks
Erstausstrahlung: 5. November 2004 (arte)
Darsteller:
Ruth von Roll: Johanna Wokalek
Samuel Goldfisch: August Zirner
Albert von Roll: Marc Hosemann
Elisabeth von Roll: Heike Warmuth
Luise Weidler: Adele Neuhauser
Franz Weidler: Richy Müller
Siegfried Weidler: Johannes Zirner
Kurt Stöcker: Jürgen Vogel
Otto Pfreimel: Jürgen Tarrach
Käthe Goldfisch: Clémence Boué
Gretchen Goldfisch: Delphine Serina
Walter Roth: Leander Lichti
Tina Lavoisier: Carole Richert
Kommissar Gambarov: André Hennicke
Colonel Stone: Frank Giering
Sanitätsrat Hildebrandt: Heinz Gerhard Lueck
Link zur Filmseite bei arte
mit Interview des Drehbuchautors Justus Pfaue
Szenenbilder



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